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Neun bildende Künstler*innen untersuchen im Projektraum den Schatten als Metapher.
Der Schatten wird zur Metapher künstlerischer Äußerungen und gibt Auskunft über das Selbst und der Erfahrungsumgebung. Die Ausstellung versammelt Arbeiten, die wandelbare Konstruktionen des eigenen Selbst. Beziehungsgeflechte werden zwischen Innen- und einer bedrohlichen Außenwelt verhandelt.
Plinius‘ d. Ä. erzählte von einer jungen Frau aus Korinth, die den Umriss der Schattenprojektion ihres Geliebten nachzeichnete. Dem Mythos nach hat sie damit die Malerei erfunden.
Die eigentliche Motivation der Korintherin bestand aber darin, ein Andenken an ihren Geliebten – und sei es nur dessen Schattenbild – aufzubewahren, bevor er in den Krieg ziehen musste und dabei sein Leben verlieren konnte (um damit selbst in das Reich der Schatten zu gelangen).
Um sein Bild zu fixieren, benutzte sie ein Werkzeug, das an sich bereits als Medium wie ein Memento Mori gelesen werden kann: ein verkohltes Stück Holz, dessen Glut bereits erloschen war. Die junge Korintherin hielt somit nicht an ihrem Geliebten selbst fest, sondern an der (Schatten-) Projektion, die sie sich von ihm gemacht hatte.
Hieran anknüpfen lässt sich die Frage nach dem Phänomen der Wahrnehmung, so wie sie auch in Platons Höhlengleichnis gestellt wird: was nehme ich unter welchen Umständen wie (für) wahr?
Plinius erzählt hier auch davon, dass es die Malerei – und im übertragenen Sinne alle anderen künstlerischen Medien – nicht gäbe, ohne das urmenschliche Bedürfnis, Bilder (Projektionen) von sich selbst, den anderen und der Welt – der Innen- wie der Außenwelt – zu entwerfen und dafür eine Form zu finden.
„Deine scheue Schatten von Verbranntem gebannt“ versteht sich auch als generationenverbindendes Projekt. Sehr junge Künstler*innen (der Jahrgänge um 2006) kooperieren mit älteren Kolleg*innen (der Jahrgänge um 1960).
Die meisten Arbeiten und Performances sind eigens für diese Ausstellung entstanden.
Beteiligte Künstler*innen
Luca Mercedes Braig, Lotta Blum, Camille Fiby, Anne Schmieder, Jörg Mandernach, Sophia Mobilia, Denise Moriz, Gert Wiedmaier, Michael Kemnitz
Eröffnung
Donnerstag, 2. April, 19.00 Uhr
Einführung: Jörg Mandernach, Kurator der Ausstellung
Performances: Luca Mercedes Braig, Sofia Mobilia, Lotta Blum, Camille Fiby, Anne Schmieder
Midsissage
Samstag, 11.04., 19.00 Uhr
Dialogführung mit den Künstler*innen
Performances: Luca Mercedes Braig, Sofia Mobilia, Lotta Blum, Camille Fiby, Anne Schmieder
Finissage
Samstag, 18.04. 19.00 Uhr
Performance: Luca Mercedes Braig, Sofia Mobilia, Lotta Blum, Camille Fiby, Anne Schmieder
Zum Ausklang spielen „Die Zwitscheraggregate“ (Blum – Tenor Saxophon und Mandernach – E-Gitarre, Kinderinstrumente), Free-Surf-Noise-Music
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 15.00 - 19.00 Uhr
Ostersonntag geschlossen
Während den Öffnungszeiten sind die Künstler*innen anwesend und bieten individuelle Führungen und Gespräche an.
„Deine scheue Schatten von Verbranntem gebannt“ ist eine Weiterentwicklung der von Jörg Mandernach kuratierten Ausstellungsreihe „Mit Verkohltem wollte ich Deinen Schatten halten“, die 2019 im Kunstverein Hechingen (Weißes Häusle und Villa Eugenia), Kunstverein im Residenzschloss Ellwangen und im Akku-Projektraum Stuttgart gezeigt wurde.
In Kooperation mit dem Kunstverein Wagenhalle, gefördert durch die Stadt Stuttgart und die SVSparkassenversicherung.
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