Geschichte

Der Kunstverein Wagenhalle e.V.

Der Kunstverein Wagenhalle und seine ca. 150 Mitglieder haben sich seit 2004 eine einzigartige Produktionsstätte in der ehemaligen Waggoninstandsetzungshalle der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahn von 1895 aufgebaut. Die Wagenhalle und die dazu gehörigen Gebäude beherbergen die Ateliers, Studios und Werkstätten der Kunst- und Kulturschaffenden aus bildender und darstellender Kunst, Musik, Fotografie, Kommunikations- und Webdesign, Kunsthandwerk, Architektur, Baubotanik, kuratorischer Praxis sowie Film- und Medienkunst. Zudem haben das Urban Gardening Projekt Stadtacker e.V. und die Tanzschule Tango Ocho ihren Standort an der Wagenhalle. Durch diese Vielfalt entstehen stets neue Synergien sowie generationsübergreifende und interdisziplinäre Projekte. Die Künstler*innen der Wagenhalle sind jährlich an rund 500 regionalen und internationalen Ausstellungen und Veranstaltungen beteiligt und haben ein weltweites Netzwerk aufgebaut. Kooperationen gibt es u.a. mit der Akademie der bildenden Künste, der Akademie Schloss Solitude, den Theatern Rampe und Fitz, der IBA’27 und den Architekturfakultäten der Uni Stuttgart und der HFT Stuttgart.

Das Kulturschutzgebiet

Seit 2004 hat der Kunstverein Wagenhalle den Pionierbewuchs des Areals geprägt und Kunst-, Kultur- und Architekturprojekte realisiert, die sich mit dem Thema Stadtentwicklung auseinandersetzen: 72 Hour Urban Action, Post 21, Kunstboulevard, TAUT, Container City, Rosensteincode, Theatre Of The Long Now, Habitat und KAT. Die gemeinsam mit Studio Malta geplante und von den Künstler*innen und dem Kunstverein gebaute Container City wurde ursprünglich als Interimsquartier für die Ateliers während der Sanierung der Wagenhalle errichtet und hat sich seither zu einem wichtigen Ort für das kulturelle Geschehen der Stadt entwickelt. Bis 2024 haben sich z.B. die Projekte contain’t und NorDIY auf unserem Gelände so entfalten können, dass sie ab 2025 ein neues Zuhause in Cannstatt finden konnten. Das „Kulturschutzgebiet“ selbst ist der übergeordnete strategische Ansatz des Kunstvereins, die Flächen, die durch das Städtebauprojekt S21 und dessen langfristige Verzögerung frei wurden, in den Fokus der Stadtentwicklung zu rücken und sie dauerhaft für die Produktion von Kunst und Kultur zu etablieren. Im Rahmen des Deutschen Städtebaupreises 2018 wurde das Kulturschutzgebiet Wagenhalle – Container City mit einer Belobigung ausgezeichnet.
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Preise und Meilensteine

100 Ateliers für mindestens 30 Jahre

2015 fasste der Gemeinderat den Entschluss, die Wagenhalle dauerhaft zu erhalten und zu sanieren, nachdem der für 2003 geplante Abriss der Wagenhalle dank der Initiative von Lokalpolitikerinnen, Architektinnen und Künstlerinnen noch rechtzeitig verhindert werden konnte. Die Planungen und die Sanierung ab 2017 wurden durch selbst initiierte Nutzertreffen mit Stadt und den Architekten von Atelier Brückner hinsichtlich des Raumprogramms und der Umsetzung entscheidend im Sinne des Kunstvereins verändert. Der Innenausbau mit den neuen Atelierkuben in Holzbauweise durch die gGmbH des Kunstvereins als Bauherr wurde ab 2019 realisiert, wofür ein Kredit in Höhe von 1,7 Mio. € aufgenommen wurde. Ein 30-jähriger Mietvertrag zwischen der Stadt und unserer Verwaltungs-gGmbH eröffnet dem Kunstverein und seinen Künstlerinnen langfristige Perspektiven und Planungshorizonte. Nach über dreieinhalbjähriger Umbauzeit konnten die Künstlerinnen im Juli 2020 wieder in die sanierte Halle einziehen. Auf einer Fläche von 7.500 qm gibt es nun Raum für junge und etablierte Künstlerinnen, für Experimente und Kooperationen. 100 Ateliers verschiedener Größe und Raumqualität stehen in Halle, Neubau und den beiden Gründerzeithäusern zur Verfügung. Die Ateliers werden über ein Ateliervergabegremium vergeben, das sich aus internen Mitgliedern des Kunstvereins und externen Persönlichkeiten aus der Stuttgarter Kulturgesellschaft zusammensetzt.

Projektraum, Programm, Kooperationen, Festivals

Eine große Errungenschaft für den Kunstverein und die Stadt ist der seit 2019 bestehende 450 qm große Projektraum für bis zu 300 Personen. Er steht für die zahlreichen Projekte der Kulturschaffenden des Kunstvereins sowie für Kooperationen mit regionalen und internationalen Künstler*innen und Institutionen aus Kunst, Kultur, Bildung, Sozialem und Stadtentwicklung zur Verfügung. Das Programm im Projektraum wird durch unser vielfältig besetztes Projektraumgremium kuratiert. Ausgewählt werden sowohl eigene Formate als auch Kooperationen. Mit dem experimentellen Musikfestival „Xciting“ und dem „Pfffestival – Festival für urbane Kunst“ haben sich bei uns zwei Formate entwickelt und dauerhaft etabliert. Im TOR 5 mit 80 qm finden kleinere Veranstaltungen und Workshops einen passenden Raum, in dem zum wiederholten Male Workshops mit dem Verein 46plus Down-Syndrom Stuttgart e.V. stattfinden. Jedes Jahr am zweiten Wochenende im Oktober findet auf dem ganzen Gelände der Tag der offenen Ateliers statt.

Zukunft Stadt – Die Maker City

2019 schlagen die Gewinner des „internationalen städtebaulichen Wettbewerbs Rosenstein“, asp Architekten und Koeber Landschaftsarchitektur, auf der C1-Fläche eine „Maker City“ zum Wohnen und Arbeiten vor. Zwischen dem Kunstverein Wagenhalle, den neuen Wohn- und Gewerbegebäuden und der temporären Interimsoper soll ein großer Platz entstehen, den wir sehr begrüßen. Durch den Rückbau der Container City, die folgende Großbaustelle und den Bau eines neuen Stadtquartiers entstehen für den Kunstverein und seine Kunst- und Kulturschaffenden große Veränderungen, Herausforderungen, aber auch Chancen für die Zukunft. Der Kunstverein engagiert sich mit Projekten, Netzwerkarbeit und in Verhandlungen mit der Stadt, um den neuen Stadtteil schon in seiner Planung aktiv mitzugestalten. Ein wichtiger Punkt ist uns dabei, auch zukünftig die dauerhafte und verbindliche kulturelle Nutzung von Außenflächen zu erreichen. 2024 soll das Vorfeld der Wagenhalle mit dem Projekt „KAT – Der Kunstboulevard als Aurazone im Testbetrieb“ zu einem künstlerischen Freiraum sowie einer Produktions- und Veranstaltungsfläche ausgebaut werden. Denn wir begreifen es als einmalige Chance, das Kulturschutzgebiet Wagenhalle und die Maker City als Experimentierfeld zu etablieren, in welchem neben den Projekten der Kunstschaffenden neue, kleinteilige und gemeinwohlorientierte Wohn- und Gewerbenutzungen verschiedenste Ideen für die Stadt von morgen abbilden und ein Freiraum für eine lebendige Stadtgesellschaft entsteht.

Container City

Die Container City wurde zum 31. Dezember, 2024 abgebaut. Wir danken allen Beteiligten, Besucher*innen, der Stadt Stuttgart und unseren Künstler*innen, die diesen Raum entwickelt und gelebt haben. Das temporäre Projekt sollte eigentlich schon im Oktober 2022 zu Ende gehen und wurde noch zweimal verlängert.
Die ehemaligen Waggoninstandsetzungshalle der Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahn, in der der Kunstverein Wagenhalle seine Ateliers beherbergt, wurde ab Anfang 2017 über dreieinhalb Jahre saniert. Als Ausweichquartier für die Ateliers und Produktionsstätten während der Sanierungs- und Umbaumaßnahmen diente die Container City. Diese entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem kreativen und lebendigen Ort für innovative Kultur in Stuttgart mit zahlreichen realisierten Kunstprojekten und Veranstaltungen.
Über 100 Container, zwei Waggons und weitere temporäre Architekturen wurden aufgebaut. Die Container wurden als Ateliers, Proberäume und Büros genutzt. Der Projektraum – Temporary Artists Utopia Tool – des Kunstverein Wagenhalle diente als offene Plattform ansässigen und geladenen Künstler*innen. Es fanden Ausstellungen, Vorträge, Symposien, Performances, Filmvorführungen und Workshops statt. Die Außenflächen wurden von den Künstler*innen als Werkhöfe und Freiluftateliers zur Kunstproduktion genutzt. Der Marktplatz war zentraler Treffpunkt der kleinen Stadt: Hier konnte man sich austauschen, ausruhen und gemeinsam im freien Arbeiten. Zu besonderen Anlässen diente der Platz als Bühne für Kunst- und Kulturprojekte.
Vor und für den Ort wurden Kunstprojekte wie Pylonia von Performance Electrics, die Rosensteinalm von Gabriela Oberkofler oder das Theatre of the long now des Bureau Baubotanik entwickelt. Enge Kooperationen bestanden mit den auf dem Gelände ansässigen soziokulturellen Projekten Technik & Solidarität e.V. / Fahrräder für Afrika e.V. oder den Urban Gardeners vom Stadtacker e.V. , ein ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade biologische Vielfalt 2018.

Mit der Entstehung der Container City haben die Künstler*innen Sylvia Winkler und Stephan Köperl mit einer Beschilderung an allen Eingängen des Areals, das „Kulturschutzgebiet“ offiziell deklariert und ausgerufen. Während die gemeinsam mit Studio Malta geplante und von den Künstler*innen und dem Kunstverein gebaute Container City im Rahmen des Deutschen Städtebaupreises 2018 mit einer Belobigung ausgezeichnet wurde, schlagen die Gewinner des internationalen städtebaulichen Wettbewerbes Rosenstein, das Architekturbüro asp Architekten und Köber Landschaftsarchitekten, eine „Maker City“ zum Wohnen und Arbeiten vor. Die Container City und das Kulturschutzgebiet bleiben darin erhalten und damit die Möglichkeit ein dauerhaftes „Experimentierfeld“ zu etablieren.

 

Das Projekt “Container City” wurde unterstützt von Stadt Stuttgart – Liegenschaftsamt, Stadt Stuttgart – Kulturamt, Karle Recycling Andreas Knauf Gartenbau, Holzhandlung Waidelich, Scholpp Montage GmbH, AWR Abbruch, ARGE Tunnel Bad Cannstatt, Kreder Neon, Heidelberger Beton, PROSOL Deizisau, Rodeca, Firma Türenmann. Das Projekt “Summer in the Container City” wird gefördert von Innovationsfonds Kunst, Wüstenrot Stiftung. Das Projekt „TAUT“ wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Stuttgart.

Karte

Virtueller Rundgang

KAT - Der Kunstboulevard als Aurazone im Testbetrieb

Das KAT-Projekt wurde 2023 bis 2026 initiert, mit der Idee, die Kunst- und Kulturproduktion an der Wagenhalle während der Baustellenphase der C1 Maker City zu sichern.

Die Aurazone im Testbetrieb ermöglicht es weiterhin, auf komprimiertem Raum, Kunst und Kultur zu produzieren und zu präsentieren. Sie schafft eine niederschwellige Schnittstelle von Kunst- und Kulturschaffenden mit der Stadtgesellschaft und testet den Alltagsbetrieb ohne parkende Autos. Ziel war es, die Wagenhalle mittel- und langfristig als lebendigen Raum für kulturelle, zivilgesellschaftliche und gemeinschaftliche Nutzungen sichtbar und erfahrbar zu halten. Der Kunstverein bezieht sich bewusst auf den Begriff und das städteplanerische Instrument der Aurazone um auf den hohen Bedarf und die Wichtigkeit von gesicherten Kunst- und Kulturflächen im Außenraum aufmerksam zu machen.

 

Was ist eine Aurazone?

Als Aurazone wird die Übergangszone zwischen privaten, halböffentlichen und öffentlichen Flächen eines Quartiers bezeichnet. Sie dient als Schnittstelle zwischen dem Inneren von Gebäuden und dem Außenraum und fördert die Interaktion zwischen den Bewohner*innen/Nutzer*innen und dem öffentlichen Raum. Dabei ist sie den Betreiber*innen bzw. Mieter*innen der angrenzenden Innenräume zugeordnet, kann aber spezielle Gestaltungsvorgaben haben, wie eine Pflanzvorschrift, das Unterlassen von Umzäunung o.ä. Der Begriff „Aurazone“ ist im Kontext der Stadtentwicklung relativ neu und im Bebauungsplan für die Maker City als Bereiche um die neu entstehenden Gebäude festgelegt.

 

Keine gesicherte Aurazone für die Wagenhalle?!

Für die Wagenhalle selbst ist keine Aurazone durch den Bebauungsplan vorgesehen, was die Nutzung und Belebung des Außenraums durch die Kunst- und Kulturprodktion erheblich erschwert und einschränkt. Dabei ist die Nutzung der Flächen vor den Hallentoren und den Neubau-Türen genau die Art von Schnittstelle zwischen privatem und öffentlichem Raum, zwischen Kultur und Stadtgesellschaft, die eine Aurazone vorsieht. Daher setzt sich das Projekt K A T für die Sichtbarkeit, den Erhalt und die Weiterentwicklung dieser wichtigen Flächen ein. Zudem schafft der Kunstverein durch den Testbetrieb ein Experimentierfeld, das die innovative Idee der Aurazone in der Praxis erprobt und wichtige Erkenntnisse für die städtebauliche Entwicklung sammelt.