Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

24.09.2019 / Stuttgarter Zeitung / Petra Häussermann

Experimenteller Raum inmitten der Stadt

Das Wagenhallenareal im Norden soll Kreativquartier werden. Ein entsprechendes Konzept haben der Kunstverein und der Verein Stadtacker der Stadt vorgelegt.

Das Wagenhallenareal und seine Freiflächen sollen ein nachhaltiges Kreativquartier für Kulturschaffende im neuen Rosensteinviertel werden. Ein entsprechendes Konzept haben der Kunstverein und der Verein Stadtacker jetzt dem Städtebau-Referat der Stadt vorgelegt. Nach Überzeugung der Initiatoren kann hier ein Stadtteil entstehen, in dem künftig erprobt wird, wie die Stadt von morgen aussehen soll und wie sich das Leben darin gestaltet. In der Broschüre „Transformation C1/C2“ plädieren die Initiatoren mit konkreten Beispielen dafür, bereits etablierte Strukturen weiterzuentwickeln. „Wir brauchen dringend mutige Räume, in denen wir neue Formen von Arbeiten, Wohnen und Kultur ausprobieren können“, sagte Robin Bischoff vom Kunstverein Wagenhalle am Dienstag bei der Vorstellung des Konzeptes. Dies sieht seinen Worten zufolge eine innovative Entwicklung des Areals vor und ist eine Alternative zu den Plänen einer Interimsoper auf diesem Gelände.

Lob für den Stadtacker

Die ursprünglich nur für die Dauer der Sanierung der Wagenhalle errichteten Container für die Kreativen auf der Brachfläche vor der Halle reichten heute von simplen Container-Anordnungen über Sonderbauten bis zu experimenteller Architektur. Für die Jury des Deutschen Städtebaupreises 2018 ist das vielfältig genutzte Areal zum „Impulsgeber und programmatischen Baustein“ für das zukünftige Rosensteinquartier geworden. Sie lobte die Entstehung von temporären Ateliers, Konzerträumen oder sozialen Einrichtungen, Kooperationen mit Fachfirmen oder Angebote für Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft.

Neben dem Erhalt der Freiflächen vor der Wagenhalle möchte die Künstlergemeinschaft die entstandene nachhaltige Gärtnerei erhalten. „Der Stadtacker ist das größte Urban-Gardening-Projekt der Landeshauptstadt und das einzige, welches mit Mutterboden arbeitet“, betonte Lonni Görlach, Vorstand des Vereins Stadtacker. „Stadtentwicklung darf nicht mehr auf Kosten von Biotopen und Naturräumen geschehen“, so Görlach weiter und verwies auf ein wissenschaftliches Projekt mit der TU München und den Aktiven des Stadtackers.

Container City erhalten

In die lebhafte Diskussion um das zukünftige Rosensteinviertel wollen die Akteure der Wagenhalle ihre jahrelangen Erfahrungen mit Stadtentwicklung auf informeller Ebene einbringen und ihr Areal als Sondernutzungsfläche für Kultur erhalten. Umso erfreuter waren sie, dass der Sieger des Internationalen Städtebau-Wettbewerbs die Container City erhalten und ein Kreativquartier etablieren will. Den Architekten gefiel, wie hier gewohnt, gearbeitet, produziert und getüftelt wird, wie flexibel und leicht die Bebauung ist und damit die Grenze zwischen öffentlich und privat neu definiert wird.

Nicht allein dem wirtschaftlichen Druck nachgeben

Ein nächster Schritt bei der Transformation zum urbanen Quartier ist für Bischoff die Internationale Bauausstellung IBA im Jahr 2027 auf diesem Gelände: „Die IBA ist ein geeignetes Instrument und eine große Chance für eine innovative Gestaltung und gesamtgesellschaftliche Nutzbarmachung des Areals.“

Görlach und Bischoff plädierten nachdrücklich dafür, nicht allein dem wirtschaftlichen Druck nachzugeben, sondern vielmehr das Gebiet für experimentelles Bauen offen zu halten und der Frage nachzugehen, wie ein lebendiges, gemischtes Quartier entsteht. Als nächsten Schritt sehen sie die Gründung eines gemeinnützigen Entwicklungsträgers sowie die Zusammenarbeit mit Partnern aus allen relevanten Bereichen der Gesellschaft.

 

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