04.04.2016 / Stuttgarter-Zeitung / Petra Mostbacher-Dix

Harry Delgas von „Bewegung tut gut“ beim Reallabor

Mobilität in der Stadt ganz neu denken

Das Reallabor für Nachhaltige Mobilitätskultur hat sich auf dem Marienplatz vorgestellt. Die Kooperation von Universität Stuttgarter und dem Theater Rampe fragt nach der Zukunft der Mobilität in Stuttgart, die nicht nur Ressourcen schont, sondern auch Gesundheit und körperliche Bewegung unterstützt

Schon von der Ferne sind sie zu hören, die Klänge der Band „Bewegung tut gut“. Während die Musiker in ihrem Fahrradbus auf dem Weg zum Marienplatz kräftig in die Pedale treten, spielen sie Jazz. „Bewegung tut gut“ ist nur eine von vielen Gruppen der „Karawane der Zukunftsmobilität“, die sich gestern auf dem Marienplatz positioniert haben. Dort, auf dem „Markt der neuen urbanen Mobilität“, waren unterschiedlichste Akteure versammelt, die für eine nachhaltige, klimaneutrale Mobilitätskultur warben: von Carsharing-Anbietern über öffentliche Verkehrsbetreiber, von der Bürgerrikscha und anderen Fahrradkonzepten mit und ohne Elektromotor bis zu allerlei Natur-, Nachhaltigkeits- und Bürgerinitiativen.

Um 11 Uhr startete die Karawane auf den Fildern

Dabei hatte die „Karawane der Zukunftsmobilität“ schon eine Strecke hinter sich. Um 11.30 Uhr startete sie bei der Messe i-mobility vom Messegelände in drei Zügen bestehend aus Velomobilen – also Fahrrädern, Fahrradtaxis und Bürgerrikschas –, aus Fußgängern, die mit dem öffentlichen Personennahverkehr unterwegs waren, sowie aus Fahrzeugen mit klimafreundlichen Motoren. Vom Feuersee aus ging es dann in einer gemeinsamen Karawane im Schritttempo weiter durch den Westen zum Marienplatz.

Aufgerufen dazu hatten die Macher des Reallabors für Nachhaltige Mobilitätskultur. Dieses bilden an der Universität Stuttgart interdisziplinär sieben Institute: Landschaftsplaner, Städtebauer, Risiko- und Innovationsforscher, Sport- und Bewegungswissenschaftler, Arbeitswissenschaftler, die Verkehrsplaner sowie die Kultur- und Technikforscher. Reallabore werden seit Oktober 2014 vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst – in der ersten Charge mit sieben Millionen Euro – gefördert. Ziel: nicht im abgeschlossenen Labor, sondern in der realen Welt Nachhaltigkeit zu erforschen, somit Wissen direkt in die Gesellschaft zu transferieren und direkte Rückkopplung zu erhalten. „Die Stadt wird zum Experimentierfeld“, sagt Elke Uhl, die Leiterin des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung (IZKT). „Forscherinnen und Forscher tauschen sich mit Bürgerinnen und Bürgern aus und entwickeln praxisrelevante Lösungen für die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Gesellschaft – und eine der großen Herausforderungen ist nachhaltige Mobilität.“

Ein Realexperiment ist eine Stäffele-Galerie

Ein Jahr habe man nun das Netzwerk aufgebaut, sagt Uhl. Mit der Mobilitätskarawane, dem Markt auf dem Marienplatz und einer anschließenden offiziellen Eröffnungsveranstaltung im nahen Theater Rampe trete das Reallabor nun in die Öffentlichkeit. Uhl: „Wir stellen uns vor, öffnen heute sozusagen die Türen für alle und fordern jeden auf, bei uns mitzumachen.“ So gehört zu den geplanten Realexperimenten unter anderem die Stäffele-Galerie. Dabei wollen Studierende die vielen Treppen Stuttgarts, deren Charme und Fitness-Potenzial in den Fokus rücken. Im Projekt „Das Marienhospital macht mobil“ wiederum soll für die konkurrierende Verkehrssituation rund um das Krankenhaus eine kooperierende, nachhaltige Lösung mit Mitarbeitern und Bürgern gefunden werden. Uhl: „Wir wollen Mobilität neu denken, nicht allein vom Verkehr und der Technik her, sondern vom Menschen, von dem, was er beitragen kann, und dessen Gesundheit aus gesehen.“

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