Stuttgart, den 31.10.2014

Statement des Kunstverein Wagenhalle e.V. zur aktuellen Lage & Berichterstattung

Kunst braucht Raum zum Experimentieren. Die Wagenhalle beim Nordbahnhof hat sich in Stuttgart als ein besonderer künstlerisch-kultureller Standort etabliert. Seit nunmehr 10 Jahren arbeiten dort ca. 70 KünstlerInnen unterschiedlichster Gewerke. Im Bürgerhaushalt 2014/2015 ist vorgesehen, die Wagenhalle für eine dauerhafte Nut­zung baulich zu ertüchtigen. Im Zuge der Planungen stellte die Stadt fest, dass im Moment ein Parallelbetrieb von Veranstaltungen der Gutbrod / Mellmann GbR und eine Ateliernutzung der 70 KünstlerInnen des Kunstvereins nicht möglich ist: Die KünstlerInnen, die in der Wagenhalle arbeiten, müssen bei jeder Veranstaltung ihre Ateliers verlassen. Die Entscheidung wann die Arbeitsräume genutzt werden liegt nun nicht mehr in der Hand der KünstlerInnen, sondern wird von den wirtschaftlichen Interessen des Mellmann/Gutbrod GbR bestimmt. Die Termine der Veranstal­tungen werden nicht mit dem Kunstverein Wagenhalle e.V. abgestimmt, sondern werden von den Veranstaltungsbetreibern festgelegt.

Ohne Transparenz und unter Entscheidungsdruck wurde der Vorstand des Kunstver­ein Wagenhalle e.V. bei einem Termin Anfang September dazu aufgefordert, einer Regelung zuzu­stimmen, ohne mit den KünstlerInnen vor Ort, die Problematik einer eingeschränkten Nutzung ihrer Arbeitsräume besprechen zu können. In der Praxis bedeutet dies, dass an bis zu 5 Tagen pro Woche Veranstaltungen stattfinden werden. KünstlerInnen arbeiten jedoch zu jeder möglichen Tages- und Nachtzeit, auch an Sonn- und Feiertagen und haben oft feste Termine wie z.B. Ausstellungen oder Premieren. Die Arbeiten laufen in intensiven Phasen und grundsätzlich am Stück und können nicht mehrmals pro Woche unterbrochen werden. Eine eingeschränkte Nutzung der Arbeitsflächen ist für viele KünstlerInnen eine existenzielle Bedrohung.

Der Kunstverein Wagenhalle e.V. hatte im Oktober Nachverhandlungen gefordert, die kaum Verbesserungen erwirkt haben. Diese Regelung läuft seit dem 27. Oktober und wurde 4 Wochen vorher bekannt gegeben. Die KünstlerInnen sollen einen Zusatz zum Vertrag unterschreiben, der Ihnen den Aufent­halt in ihren Arbeitsräumen während den Veranstaltungen untersagt. Eine Projekt­planung ist für die KünstlerInnen durch diese Regelung unmöglich geworden. Ein Aderlass von hoch qualifizierten KünstlerInnen, die sich schon in der Kunst und Kulturszene eta­bliert haben, ist ein herber Verlust für den Standort Wagenhalle und die Kultur­landschaft Stuttgarts. Ein Ende dieser untragbaren Situation, die sich etliche Jahre hinziehen kann, ist nicht absehbar.

Unsere Vision

Der Kunstverein Wagenhalle e.V., der mit seinen 70 KünstlerInnen in der zeitgenössischen Kunst- und Kulturwelt voll angekommen ist, sieht die Zukunft der Wagenhalle als ein Generationen übergreifendes Kunst- und Kulturzentrum, als Marktplatz und Herz im neuen Stadtviertel Rosenstein. Unser Ziel ist es, die Produktionsstätte Wagenhalle in eine tragfähige Struktur als ein selbst verwaltetes und sich selbst tragendes Projekt zu übertragen. Dabei steht der Ausbau von zusätzlichen und größeren Produktionsflächen durch wachsende Notwendigkeit im Vordergrund. Eine zukünftige Nutzung beinhaltet auch eine Veranstaltungsfläche, die sinnvoll im späteren Wohngebiet funktionieren muss und Kulturveranstaltungen beherbergt.

Wir fordern deshalb die Stadt Stuttgart und alle Beteiligten auf, Gespräche auf Augenhöhe zu führen, um die Situation für den Kunstverein Wagenhalle e.V., seine 70 KünstlerInnen und damit auch für eine lebendige kulturelle Stadt deutlich zu verbessern.

Kunstverein Wagenhalle e.V.
Innerer Nordbahnhof 1
70191 Stuttgart

kontakt@kunstverein-wagenhalle.de
www.kunstverein-wagenhalle.de

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